Mein Jahr in Südafrika

"Ohne Abenteuer wäre das Leben tödlich langweilig!" – Lord Robert Baden Powell

Lehmhütten, Hautfarben und Now?

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Lehmhütten und oder Villen?

Urban Culture ist in Südafrika sehr spannend. Lehmhütten als Standartunterkunft?

Langa Township

Die Stadtentwicklung hat hier sehr viel mit der Geschichte des Landes zu tun. Wie ihr ja alle bereits wisst, herrschte in Südafrika zwischen 1948 und 1991 Apartheid (staatlich festgelegte, organisierte Rassentrennung durch die vornehmlich „weiße“, europäisch stämmige Bevölkerungsgruppe). Gewisse (attraktive) Stadtteile waren den Weißen vorbehalten. In dieser Zeit sind auch die sogenannten Townships entstanden. Als Townships bezeichnet man die Wohnsiedlungen, die während der Apartheid entstanden sind und in denen die schwarze, die farbige oder die indische Bevölkerung wohnen durfte. Townships sind teilweise so groß wie Kleinstädte. Sie bestehen aus kleinen Blechhütten, den Shacks und aller Art von Behausungen. Man findet dort aber auch sehr einfache Häuser, Kirchen und Supermärkte. Townships befinden sich meistens relativ weit außerhalb der Stadt, denn man wollte diese Bevölkerung nicht in der Nähe wohnen haben. Die Townships existieren natürlich heute immer noch. Man kann nicht einfach so viele Menschen umsiedeln oder so große, bebaute Flächen erneuern. Leider wachsen diese Gebiete auch immer mehr, da Menschen aus den ländlichen Gegenden in die Stadt ziehen in der Hoffnung, dort Arbeit zu finden. Heute sind Schwarze, Inder und Farbige nicht mehr gezwungen in Townships oder vorgeschrieben Gegenden zu wohnen – dennoch machen diese Gruppen einen Großteil der Bewohner aus.

 

In Kapstadt gibt es ganz normale Häuser, wie wir sie auch in Deutschland kennen. Der größte Unterschied ist, dass es meistens keine Heizung gibt und die Fenster nur eine Einfachverglasung haben. Ihr könnt euch sicherlich vorstellen, wie kalt es im Winter wird. Natürlich gibt es ganz unterschiedliche Häuser. Die einen haben sehr viel Geld und bauen in Bishopscourt – eine der teuersten Gegenden in Kapstadt – riesen Villen, die anderen leben in einem sehr einfachen Haus mit einem Schlafzimmer mitten im Township. Häuser werden im Township zum Teil von der Regierung gebaut und dann den Menschen vor Ort zur Verfügung gestellt. Was aber relativ häufig passiert, dass die Menschen diese Häuser dann wieder vermieten um ein Einkommen zu haben. Dadurch wohnen sie wieder in den Shacks. Lehmhütten habe ich hier in Kapstadt noch nicht gesehen. Diese werden häufiger in den ländlichen Gegenden gebaut. Aber ja, es gibt sie.

Jetzt könnt ihr euch ein bisschen vorstellen, wie groß die Kontraste hier in Kapstadt sind. Kein fließendes Wasser und kein Strom gelten für einige Gegenden, vor allem dort, wo die Bevölkerungsdichte auch sehr groß ist. In den Townships oder in den ländlichen Gegenden müssen die Menschen zu Brunnen laufen um sich hier Wasser zu holen. Strom wird besonders in den Townships immer einfach von den Oberleitungen geklaut (es gibt fast keine Leitungen unter der Erde). Man sieht dort ein riesengroßes Kabelwirrwarr. Das ist natürlich nicht sicher und führt manchmal dazu, dass es zu Bränden kommt. Was fast immer nicht gut ausgeht, denn die kleinen Shacks stehen alle sehr nah beieinander und Feuer vernichtet ganze Viertel. In Hout Bay haben im März 10.000 Menschen ihr Haus verloren, da das Township abgebrannt ist.

Gegenden außerhalb der Townships haben fast alle Wasser aus der Leitung und auch ganz normal Strom. Auch Internet gibt es hier in den meisten Häusern.

Schwarz, Weiß und Bunt

Natürlich leben hier nicht nur Menschen mit schwarzer Hautfarbe. Südafrika wird die Regenbogennation genannt – dass steht für die Vielfalt an Kulturen, die es hier gibt. Der Großteil der Bevölkerung ist Schwarz, jedoch gibt es auch Farbige, Inder und natürlich Weiße. Die Einordnung in “Schwarz, weiß, bunt“ ist gar nicht so leicht zu durchschauen: alles, was nicht schwarz oder weiß ist, ist coloured.  Aber warum Inder auch eine eigene Gruppe sind, habe ich noch nicht nachvollziehen können. Leider wird gesellschaftlich immer noch sehr stark nach Herkunft unterschieden. Einer meiner Vorsätze war, nicht auf die Hautfarbe zu achten. Ich muss sagen, dass es ziemlich gut geklappt hat. Aber das mag vielleicht auch an meinem „Besucher-Status“ gelegen haben, ich bin woanders aufgewachsen und hatte durch meine Projekte überall Zugang und war willkommen. Nicht nur die Hautfarben sind hier bunt gemischt, auch die unterschiedlichen Kulturen. Ich finde es einfach faszinierend, wie so viele unterschiedliche Kulturen in einem Land zusammenleben können. Es gibt elf offizielle Amtssprachen hier in Südafrika! Von Englisch über Afrikaans zu Setswana … und noch viele mehr! Jeder Stamm hat eine eigene Sprache. Hinzu kommt Afrikaans, welches hier aus den unterschiedlichsten Sprachen wie Niederländisch, Englisch, isiXhosa und Malysian entstanden ist. Englisch wurde von den Briten nach Südafrika gebracht und wird von den Meisten hier verstanden. Allerdings muss ich sagen, dass man das Englisch hier nicht mit dem in England oder bei uns in der Schule gelernten vergleichen kann. Es wurden und werden sehr lustige Wörter erfunden oder die Bedeutungen sind ganz anders.  Beispiel gefällig? A bakkie – ist ein Pick Up-Truck, a robot – ist eine Ampel und lekker – ist wie in Holland ein Wort für gut, schön, lecker – einfach für alles!

Now Now – jetzt sofort? 

Über Sprache geht’s auch gleich weiter: nur nicht alles zu wörtlich nehmen!

Denn die Südafrikaner haben das Wort „now“ ein bisschen umfunktioniert. Wörtlich übersetzt würde es „jetzt“ heißen. Doch das ist hier nicht der Fall. Wenn jemand sagt „now” dann bedeutet es, dass etwas sofort getan wird. Die nächste Stufe ist „now now“ was jedoch nicht jetzt sofort bedeutet, sondern, dass etwas irgendwann in Kürze getan wird. Und wenn jemand zu dir „just now“ sagt, dann kannst du sehr lange auf etwas warten: denn es bedeutet, dass es getan wird, wenn diejenige Person sich danach fühlt es zu tun. Ihr könnt euch vorstellen, wie verwirrt ich am Anfang war. Und genau das führt dazu, dass Menschen auch nicht pünktlich sein können. Es gibt hier nämlich zusätzlich auch noch die „African Time“. Man ist generell mindestens 5 Minuten zu spät und man entschuldigt sich eher, wenn man pünktlich ist. Nach 30 Minuten ist man jedoch wirklich zu spät. Ich habe mich da nun aber daran gewöhnt und werde glaube ich zuhause erstmal überall zu spät kommen. Niemand ist nach deutschen Maßstäben pünktlich in Kapstadt.

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