Mein Jahr in Südafrika

"Ohne Abenteuer wäre das Leben tödlich langweilig!" – Lord Robert Baden Powell

Löwen, Kriminalität und co

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Ich stehe am Flughafen in Düsseldorf. Ein Jahr weg aus Deutschland. Ein Jahr Südafrika. Meine Schwestern, Eltern, Onkel, Großeltern und Freunde stehen mit mir am Gate. Jeder von ihnen umarmt mich ein letztes Mal.

Woran denkst du, wenn du Südafrika hörst?

Südafrika ist kriminell. Südafrika hat eine wunderschöne Natur. Es sind alle schwarz. Elefanten und Löwen laufen auf der Straße rum. Pünktlichkeit gibt es dort nicht. Es gibt kein fließendes Wasser und kein Strom. Es ist immer heiß. Alle leben in Lehmhütten. Die Regierung ist korrupt. Man kann nicht im Dunkeln rausgehen. Alle sind glücklich, obwohl sie nichts haben.

Dies sind Bilder, die viele Menschen im Kopf haben. Vorurteile?

Nun stehe ich hier in Kapstadt und für mich ist es langsam Zeit zurück nach Deutschland zu fliegen. Was davon habe ich erlebt, gesehen oder beobachtet? Ich kann ganz klar sagen: das Meiste davon stimmt so nicht.

Dazu muss ich sagen, dass ich ein Jahr in Kapstadt verbracht habe. Kapstadt ist in vielen Dingen sehr anders als der Rest des Landes. Durch den Einfluss der Kolonialzeit und der Einwanderer, die sich noch heute gerne hier niederlassen ist Kapstadt eine weltoffene und internationale Stadt. Man kann Kapstadt also nicht mit einer kleineren Stadt wie Port Elizabeth oder Nelspruit vergleichen.

Alleine raus gehen geht nicht? Was ein Quatsch!

Zugticket

Kommen wir zum ersten Punkt: Südafrika ist kriminell. Es stimmt zum Teil. Man muss immer im Kopf haben, dass hier sehr viele Menschen sehr arm sind. Viele Menschen leben in Blechhütten, sogenannten Shacks. Sie haben dort kein fließendes Wasser und kein Strom. Die Arbeitslosenquote ist dort sehr hoch, auch wenn viel dagegen getan wird. So arbeiten viele Menschen in Jobs, die es bei uns gar nicht gibt. Oder wann hast du deinen Trolley das letzte Mal wegbringen lassen oder wann hast du jemanden gesehen, der vor einer Baustelle steht und mit einer Fahne auf diese aufmerksam macht? Die weit verbreitete Arbeitslosigkeit ist der Grund dafür, dass viele Menschen und Familien mit wirklich fast nix auskommen müssen. Dies führt teilweise zu Verzweiflung. Manche Menschen werden kriminell, um sich und ihre Familie zu ernähren. Natürlich ist das keine gute Lösung, aber ich glaube es ist wirklich eine Verzweiflungstat. Nur ein Beispiel: Handys werden aus Hosentauschen geklaut und dann verkauft. Von daher ist es gut, sich an diesen Rat zu halten: Lauft nicht offen mit euren Wertgegenständen herum! Eine gewisse Vorsicht sollte immer vorhanden sein. Mir selbst ist in einem Jahr Kapstadt nichts passiert, obwohl Ich mit meinem Handy an der Bushaltestelle saß, jeden Tag mit meinem Laptop in der Tasche gereist bin und Minibustaxis benutzte. Minibustaxis sind kleine Busse, die hauptsächlich von Coloureds oder Schwarzen benutzt werden. Sie haben einen sehr spannenden Fahrstil und werden super vollgestopft mit Fahrgästen. Wenn man jedoch einmal gezeigt bekommt, wie man sie benutzt, sind sie super! Ein weiterer Hinweis der mit direkt am Anfang gegeben wurde: Nicht im Dunkeln mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln fahren. Solange man keine Minibustaxis, Züge oder Busse benutzt und nicht alleine unterwegs ist, ist das überhaupt kein Problem. Natürlich gilt auch hier: Gehe niemals in Gegenden, in denen du vorher noch nicht warst oder dir von Capetonians davon abgeraten wird. Wenn man mit Freunden unterwegs ist und entweder ein (eigenes) Auto oder Uber benutzt, kann man so gut wie alles machen. Wie oft habe ich doch den Sonnenuntergang am Meer oder vom Berg ausgesehen. Wie oft saßen wir nach der Gruppenstunde noch gemütlich beisammen! Und da es in Kapstadt das ganze Jahr früher dunkel wird als hier bei uns beginnt die Gruppenstunde bereits oft schon im Dunkeln. Auf dem Weg zur Arbeit war es meistens auch noch nicht wirklich hell. Lasst euch also nicht abschrecken unterwegs zu sein. Nutzt aber auf alle Fälle die euch empfohlenen Verkehrsmittel!

Meine Erfahrung deckt sich also nicht ganz mit dem Vorurteil: Klar gibt es Ecken, wo ich nicht (alleine) hingegangen bin. Und natürlich habe ich auch auf meine Sachen aufgepasst. Aber das mach ich in manchen Ecken in Deutschland auch. Generell kann ich sagen: im Hinterkopf war immer das Bewusstsein „könnte hier gefährlich werden“ aber erlebt habe ich es anders.

 

Wildlife in Südafrika? Natürlich gibt es das, aber nicht in der Stadt!

Dassie

Ich habe euch bereits von Public Transport – also öffentlichen Verkehrsmitteln –erzählt. Und wie bereits auch schon erwähnt, ist Kapstadt eine ziemlich europäisch geprägte Stadt. Jeder, der in Deutschland schon mal in einer Stadt größer Dormagen war weiß: Wildtiere auf offener Straße? Höchstens, wenn sie aus dem Zoo ausgebrochen sind! Natürlich findest du in Kapstadt weder Elefanten noch Giraffen noch Löwen auf der Straße. Diese Tiere sind auch viel zu scheu, um überhaupt in die Nähe der Stadt zu kommen. Ich kann mir nicht vorstellen, wie dieses Bild noch in den Köpfen vieler Menschen sein kann. Diese großen Tiere leben hier entweder in privaten Naturschutzgebieten oder in den großen National Parks. Wer Wildlife sehen möchte, muss sich dorthin begeben. In den öffentlichen Parks in Kapstadt findet man jedoch Dassies (Klippdachse), viele verschiedene Vögel und Paviane. Die Paviane sind regelrecht eine Qual – alles was essbar ist, wird gestohlen. Ich habe diese Erfahrung auch gemacht: aus unseren Zelten wurde alles Essbare während eines Lagers gestohlen! Selbst Autotüren stellen keine Hindernisse dar.

Und nein – diese Tiere werden nicht als Haustiere gehalten! Was mir aber aufgefallen ist: in sehr vielen Haushalten leben Hunde, oft auch mehrere. Zur Sicherheit – sie beschützen das Haus und seine Bewohner.

Weiter geht es demnächst 🙂 

2 Kommentare

  1. Danke dir für dein Eindrücke … somit verändert sich die Sichtweise und evtl. Vorurteile über Südafrika

  2. Ich bin beeindruckt von deiner Kommentierung, gefällt mir richtig gut. Heinz

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