Mein Jahr in Südafrika

"Ohne Abenteuer wäre das Leben tödlich langweilig!" – Lord Robert Baden Powell

3. Quartalsbericht

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Wie ihr bestimmt wisst, muss ich alle 3 Monate einen Quartalsbericht schreiben. Hier ist mein dritter Quartalsbericht. Ich dachte ich zeige euch mal einen, damit ihr wisst, was ich so schreibe. Vieles davon habt ihr hier schon einmal gelesen, aber den Teil könnt ihr einfach überspringen.

Nur noch 3 Monate, dann geht es für mich nach Hause. Vor einer Weile hätte ich gesagt, dass ich mich super darauf freue, doch jetzt? Es ist so viel seit dem letzten Bericht passiert, sodass ich gerade wirklich nachgucken musste, was ich erlebt habe.

Es ist nämlich gerade sehr viel los hier was den Scout-Kalender angeht. Anfang März hatten wir eine Hiking-Competition und ich war als Judge dabei. Es war super interessant, aber auch anstrengend, denn wir sind in den 2 Tagen über 30 Kilometer gelaufen. Es ist gut in Kontakt mit den Erwachsenen und den Scouts zu sein. Ich kenne mittlerweile super viele von ihnen und man trifft immer wieder auf sie. So habe ich auch dort Anschluss gefunden – man kennt mich und man weiß wer ich bin. Wenn etwas ansteht, dann werde ich häufig gefragt, ob ich nicht mitkommen möchte.
Des Weiteren habe ich den Scout Troop gewechselt. Der Bezirksvorstand wollte, dass ich noch eine andere Gruppe kennen lerne, sodass ich jetzt in einem Only-Boys-Troop als Leiter dabei bin. Jetzt stellt sich die Frage, wie das geht. Ich habe auch immer Zweifel daran, aber nur die Pfadfinder sind nur männlich. Die Leiter sind beides. Macht für mich keinen Sinn, aber so ist das anscheinend hier. Ich fühle mich in diesem Troop aber total wohl. Ich habe einen festen Platz in der Leiterrunde und die Jungs haben auch einen guten Draht zu mir. Ich habe sogar jetzt die Aufgabe bekommen zwei Gruppenstunden zu planen und durchzuführen.

Ende März hatten wir eine weitere Competition namens „Kontiki“. Dort mussten die einzelnen Gruppen ein Floss bauen und es zu einem bestimmten Thema dekorieren. Ich habe mit den Jungs vorher schon die Wände der Hütte gestrichen und wir haben fleißig Kostüme genäht. An dem Wochenende an sich war ich wieder als Judge unterwegs. Es hat super viel Spaß gemacht, allen Gruppen zuzugucken, wie sie ihre Flösse gebaut haben. Außerdem waren andere Teams mit vollem Eifer bei den Spielen an Land dabei. Denn nachdem die Flöße fertig gebaut waren, haben 6 Scouts 24 Stunden auf dem Floss gewohnt und unterschiedliche Aktivitäten gemacht. Währenddessen wurde an Land Volleyball, Frisbee-Golf und Tauziehen gespielt. Ganz zu unserer Überraschung haben die Jungs fast alle Kategorien gewonnen und sind somit mit der Over-All-Trophy nach Hause gegangen. Mich haben diese beiden Competitions total fasziniert und ich war super stolz, dass beide von unseren Jungs gewonnen wurden. Ich gehöre einfach richtig dazu und das macht mich glücklich.

Ein weiteres Highlight mit den Scouts war PLTU – Patrol Leader Training Unit. Am Anfang war ich etwas skeptisch, denn wenn man vorher nicht dabei gewesen ist, dann weiß man nichts. Es wird auch nichts erzählt, denn der ganze Kurs ist ein Geheimnis. Zunächst wurde meine Bewerbung als Staff auch abgelehnt. Milly war damit nicht zufrieden, denn sie wollte unbedingt, dass ich an dem Kurs teilnehme. So haben wir noch einmal mit Paddy gesprochen und es hat dann im Nachhinein doch für mich geklappt teilzunehmen. Ich habe im Catering-Team ein Platz bekommen. Hatte aber immer im Hinterkopf, dass ich ja quasi reingemogelt wurde. Das war ein komisches Gefühl. Und ich war anfangs auch nicht so begeistert, denn zwei meiner Freunde waren in der Zeit in Kapstadt und ich wollte eigentlich Zeit mit ihnen verbringen.  Auf den Vorbereitungstreffen wusste ich dann immer noch nicht so genau, was ich erwarten soll. Aber nachdem wir einen Aufräumtag hatte, war ich mehr motiviert, denn ich habe einige von den anderen Staff-Mitgliedern kennen gelernt.
Als es dann wirklich richtig losging, habe ich mal wieder mit der Unverlässlichkeit der Südafrikaner rumschlagen müssen. So musste ich mir eine neue Mitfahrgelegenheit organisieren, denn mir wurde kurz bevor wir losfahren sollten gesagt, dass diese Person doch nicht fährt. So etwas frustriert mich hier immer wieder, aber langsam habe ich es raus, wie ich damit umgehen muss.
Am Anfang des Kurses war ich immer noch von den strikten Regeln irritiert, denn wir salutieren uns gegenseitig und mussten überall hinrennen. Nach einer Weile habe ich mich daran aber gewöhnt. Mein Küchenteam war super. Wir waren glaube ich das Team, was am meisten Spaß hatte und wir haben alle anderen durch unser Essen glücklich gemacht. Es war anstrengend, aber es wurde wertgeschätzt. Auch mit den anderen vom Staff hatte ich auch super viel Spaß. Jetzt im Nachhinein war es so eine gute Erfahrung und ich bin echt froh, dass ich daran teilnehmen durfte. Ich glaube ich werde auch einige von den Aktivitäten mit nach Deutschland nehmen und versuchen dort umzusetzen.

Ich habe noch viele kleine Scout-Aktivitäten erlebt. Zum Beispiel habe ich bei Erste-Hilfe-Kurs ausgeholfen, war bei einem Leaping-Wolf-Camp dabei, habe bei einer Regatta mitgeholfen und habe Gruppenstunden besucht. Ich habe aber bei solchen Sachen immer Spaß und bin total begeistert.

Auf der Arbeit haben wir im Februar eine Kampagne gestartet, um mehr Leiter zu gewinnen. So haben wir Kits gepackt mit Marketingmaterial und diese in alle Regionen geschickt. Nach 500 einzeln gepackten Kits konnte ich diese dann auch nicht mehr sehen. Aber am BP-Sunday wurden diese hier im Western Cape ausgeteilt und ich hoffe, dass die Gruppen die Arbeit dahinter schätzen. Aber mit diesen Kits ist dann auch eins meiner größeren Projekte im Office beendet.

Ich habe noch ein weiteres ECD Projekt organisiert. Wir haben in Zusammenarbeit mit Biblonef Pinelands 20 Toolkits mit 40 Büchern in Englisch und der jeweiligen Muttersprache und Educational Toys zusammengestellt. Davon gingen drei an die neue Pre-Primary School Hangberg in Hout Bay. Ich habe diesen Kontakt von Milly erhalten und habe mich darauf verlassen. Die Schule hat sich auch sehr gefreut, doch ich persönlich fand, dass die Schule schon viele Bücher und Lehrmittel hatte. Wir waren einen Vormittag in der Schule und haben die Boxen ausgepackt und ein bisschen mit den Kindern gespielt. Es war schön ein Lächeln in den Gesichtern zu sehen. Die Kinder waren richtig begeistert.  Ich hätte mir gewünscht, dass es an eine mehr unterprivilegierte Schule geht. Aber das kann man jetzt auch nicht mehr ändern. Ich merke mir für das nächste Mal besser nachzuforschen. Die anderen Toolkits sind in nach Free State, Limpopo, Eastern Cape und Northern Cape gegangen und werden dort von den lokalen Gruppen übergeben.

Nachdem ich immer sehr starke Kopfschmerzen auf der Arbeit hatte und es meine Laune echt runtergezogen hat, bin ich zum Optiker gegangen und habe einen Sehtest gemacht. Leider hat sich herausgestellt, dass meine aktuelle Stärke zu gering ist. So habe ich eine neue Brille Mitte März bekommen und meine Kopfschmerzen sind verschwunden. Es war eine echte Erleichterung, weil so hat die Arbeit echt kein Spaß gemacht. Man muss manchmal einfach nur herausfinden, woher sowas kommt und man kann es sehr leicht beheben.

Im April hatte ich Besuch von zwei Freunden aus meinem Stamm. Wir haben zusammen Knysna und die Umgebung erkundet. Es war super schön Zeit mit ihnen zu verbringen und ihnen zu zeigen, was es wundervolles hier in Kapstadt und Südafrika gibt. Außerdem habe ich mit ihnen eine Gruppenstunde in Knysna besucht und wir haben ein paar typisch deutsche Gruppenstundenspiele wie Werwolf gespielt. Alle waren total begeistert.

Wenn ich mal nicht mit Pfadfindern beschäftigt bin, dann treffe ich mich entweder mit Freunden und gehe ins Kino, auf den Food Market oder einfach wandern. Außerdem gehe ich mit meiner Gastfamilie zum Kirchenchor und wir spielen abends zusammen. Manchmal genieße ich jetzt aber auch die Ruhe, wenn ich einfach im Bett liegen kann und einen Film gucke oder ein Buch lese.

Politisch gesehen geht es hier gerade sehr stressig zu. Zunächst wird seit einem Jahr hier an den Universitäten protestiert, denn manche fordern, dass es keine Studiengebühren mehr geben soll. Oder erstmal für keinen Anstieg der Gebühren kämpfen. Außerdem sind einige der Meinung, dass die Universitäten hier wieder dekolonialisiert werden sollen. Denn ein Teil ist der Meinung, dass die Briten und Niederländer die Wissenschaft hierhergebracht haben und aufgrund der Abneigung dieser Ereignisse, solle die Wissenschaft bitte nicht mehr an der Universität gelehrt werden. Wie man sich vorstellen kann sorgt dies für große Konflikte zwischen vielen Leuten.  Dieser Konflikt wird durch gewalttätige Proteste ausgetragen. Nicht alle Studenten fordern das gleiche, sodass es ungefähr nur ein Drittel aller Studenten ist, die wirklich protestieren. Leider sind auch Nicht-Studenten auf der Seite der Protestierenden und verschaffen sich Zugang zum Universitätsgelände. Ende letzten Jahres wurde dann an Security an den Eingängen aufgestockt. Auf dem Zwischenseminar haben wir einen Film gesehen, der sich mit diesem Thema beschäftigt. Falls ihr interessiert seid: https://vimeo.com/177627840 Momentan haben sich die Proteste aber etwas gelegt, nachdem im November und Dezember sämtliche Gebäude abgebrannt wurden, Fenster mit Steinen eingeschlagen wurden und die Vorlesungen durch „Feueralarm“ unterbrochen wurden. Dadurch hat das Semester für die Studenten früher aufgehört, Examen konnten nicht geschrieben werden, sodass der Abschluss um ein ganzes halbes Jahr verzögert wurde. Dies hat manche wieder geärgert, denn das bedeutet ein weiteres halbes Jahr an Studiengebühren und ein halbes Jahr ohne Arbeit. Meinem Gastbruder ging es nämlich genau so. Er war nicht so begeistert und es hat ziemlich viele runtergezogen und geärgert. Alle sind gespannt, was jetzt in den nächsten Monaten passiert. Aber es wurden schon weitere Proteste angekündigt. Also leider eine unendliche Angelegenheit.

Des Weiteren ist es auch generell in der Politik hier nicht so stabil. Es gibt zwar offiziell eine Demokratie mit einem Parlament und einem Präsidenten Jacob Zuma, doch Südafrika ist immer noch ein korruptes Land. Präsident Zuma bezahlt seine sechs Frauen und über 20 Kinder mit Steuergeldern. Er baut private Häuser und kauft Flugzeuge von Steuergeldern. Das sorgt natürlich für eine Unzufriedenheit in der Bevölkerung.  Zuma gehört zur ANC. Das ist die Partei, der Mandela auch angehört hat. Daher ist es in den Köpfen verankert, dass die Schwarzen die ANC wählen. Dadurch bekommt die ANC auch immer die meisten Stimmen und kann somit den Präsidenten stellen. Hier im Western Cape ist jedoch die DA die größte Partei in der Regierung. Langsam wird den Leuten nämlich bewusst, was die Ziele der ANC sind und dass diese nicht optimal für das Land sind. Zuma hat letztens auch sämtliche Minister im Parlament durchgemischt, sodass der ehemalige Sportminister nun als Finanzminister aktiv ist. Es gab einen großen Aufstand darüber. Es gibt immer wieder so Sachen die passieren und die Bevölkerung ist nicht glücklich. Die nächste Präsidentenwahl ist jedoch erst 2019. Also wird man sich mit diesen Themen hier noch immer wieder beschäftigen müssen. Für mich ist es auch super schwierig alles zu erklären, denn man weiß nie was man glauben soll und was nicht. Denn viele News sind auch Pro-Gouvernement, sodass nicht immer die Wahrheit berichtet wird. Deshalb lasse ich das jetzt so stehen und versuche nicht noch mehr wirres Zeug zu berichten.

All diese Proteste und Aufstände haben natürlich mit der Geschichte hier in Südafrika zu tun. Wie jeder weiß, war hier bis 1994 die Apartheid. Es war eine Rassentrennung, die sich sehr brutal ausbreitete. Zum Beispiel wurden Zonen eingerichtet, welche Rasse wo zu wohnen hat. So wurde Distrikt Six hier in Kapstadt plötzlich als ein weißes Gebiet erklärt. In diesem Bezirk wohnten doch hauptsächlich Coloureds. Somit verloren sämtliche Menschen ihr zuhause, Häuser wurden abgerissen und bis heute wohnt an diesem Ort keiner mehr. Es ist wie eine leere Fläche in der Nähe von der Innenstadt. Auch darüber gibt es bis heute noch Proteste, denn man will, dass das Land den ursprünglichen Besitzer zurückgegeben wird. Man sieht auch noch ganz klar die Zonen die früher eingeteilt wurden, denn zum Beispiel in den Townships leben hauptsächlich Schwarze. Ein Weißer sollte auch nicht dorthin gehen, außer man kennt wen. Es ist also noch nicht alles so, wie man sich es sich nach dem Ende der Apartheid vorgestellt hat.
Ein weiterer Punkt, den ich oben schon einmal erwähnt habe, ist der Kolonialismus. Südafrika wurde von den Niederländern und den Briten besetzt und als Kolonie beschlagnahmt. Viele Ureinwohner sind damit immer noch nicht im Reinen. Es wird immer noch darüber debattiert und gestritten. All diese Dinge spielen in die heutige Gesellschaft und deren Strukturen mit ein.
Ich finde die Geschichte von Südafrika viel zu komplex, um hier aufzuschreiben. Daher belasse ich das jetzt und werde demnächst noch einige Museen hier in Kapstadt zur Geschichte besuchen gehen. Denn ich finde die Geschichte super interessant und leider beschäftigt sich keiner mehr wirklich damit. Man geht davon aus, dass jeder sie kennt und man sich nicht mehr damit auseinandersetzten müsse.

Meine Ziele für die letzten 3 Monate? So viel wie möglich noch mitnehmen! Die Zeit verging jetzt echt super schnell und es macht mir wirklich Angst. Es sind nur noch 3 Monate, die ich mit den Menschen hier habe. Ich möchte noch so viel es geht die Museen hier in Kapstadt besuchen, mich mit meinen Freunden treffen und eventuell noch in den Urlaub an die Wild Coast fahren. Da ich noch relativ viele Urlaubstage habe, da ich häufig am Wochenende gearbeitet habe, werde ich versuchen auch all diese Dinge noch umzusetzen. Ziele für die Einsatzstelle habe ich gerade nicht so viele, denn Sam ist wieder zurück und ich habe auch gar nicht so viel zu tun. Ich habe meine zwei Projekte abgeschlossen und werde mich somit hauptsächlich mit den Webseiten beschäftigen, die aber auch fast fertig sind. Ich werde die Dinge einfach auf mich zukommen lassen.  Ich habe mir aber noch fest vorgenommen eine Gastfamilie für Madita zu finden, damit sie nicht wie ich am Anfang die Familie wechseln muss.
Was mich aber noch beschäftigt ist, dass meine Gastfamilie in den Urlaub fährt kurz bevor ich nach Hause fliege und erst wiederkommt, nachdem ich geflogen bin. Als ich das herausgefunden habe, war ich etwas traurig. Aber ich habe schon Angebote von Freunden bekommen, die 10 Tage bei Ihnen zu verbringen.

Ein Kommentar

  1. Liebe denja das hört sich doch super an ich hoffe das du die restliche zeit,Quasi den endspurt noch geniesst und denk dran wir alle freuen uns dich wieder zusehen 🙂 <3 Vor allem das du die letzten tage in SA bei freunden verbringen kannst ist doch nett 🙂

    LG/GP Florian <3 <3 :*

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